auernhammer wohlrab architektur

 

habitus and / of cities: a way of reading cities


since the 20th century, the concept of 'habitus', established by pierre bourdieu and others, has been in common use in sociology. it bridges the gap between individuals and society, as well as between the operating structures of societies and the practices that take place there. structural determinations are thereby linked to the dynamics of social processes. habitus reflects cultural, social, and economic influences, from which current practices emerge that in turn make a particular habitus visible. when applied to cities, this sociological concept can be helpful in creating an independent way of reading cities and, in particular, in better understanding their processes of transformation.


in architecture and urban planning, the concept of habitus could complement or contextualise the frequently employed notion of 'identity', pointing beyond a conscious 'representation of something' towards the still-unconscious structures inherent in cities. through this lens, the actual, everyday occurrences within a city become legible, as well as the forces that shape them. every city has unique patterns of practice, manifested in its urbanity, architectural and mobility cultures, and specific modes of social interaction, that correspond to its character. this raises the question of how habitus manifests and is formed within the city: is it merely the habitus of the local society — something fleeting that the city absorbs only to subsequently let pass? or do cities have the potential to form and further develop an independent habitus? this would be materialized in the cities, as is assumed in sociology with regard to this concept in the sense of an embodiment of dispositions.



habitus und / der stadt: eine lesart von städten


seit dem 20. jahrhundert ist in der soziologie der von u.a. pierre bourdieu etablierte begriff 'habitus' gebräuchlich. er schlägt eine brücke zwischen individuen und der gesellschaft sowie zwischen strukturen, die innerhalb von gesellschaften wirken, und praktiken, die sich dort ereignen. determinierungen in gefügen werden mit der dynamik von prozessen in verbindung gebracht. habitus bildet kulturelle, soziale und ökonomische prägungen ab, aus denen wiederum aktuelle praktiken entstehen, die einen bestimmten habitus sichtbar machen. übertragen auf städte kann dieser soziologische begriff dabei hilfreich sein, eine eigenständige lesart von städten zu schaffen und insbesondere deren transformationsprozesse besser zu verstehen.


in der architektur und stadtplanung könnte der begriff habitus den oft verwendeten begriff der identität ergänzen oder relativieren und dabei über ein bewusstes 'abbild von etwas' hinaus auf noch unbewusst wirkende strukturen von städten verweisen. dadurch würde lesbar, was sich in städten tatsächlich und alltäglich ereignet, und auch, welche kräfte diese geschehnisse bestimmen. jede stadt hat individuelle praxismuster, die sich in ihrer urbanität, ihrer bau- und mobilitätskultur zeigen und ihrem spezifischen miteinander entsprechen. dabei stellt sich die frage, wie sich habitus in der stadt äußert und wie er sich dort bildet: ist es der habitus der dortigen gesellschaft, der von den städten als etwas flüchtiges aufgenommen und wieder verabschiedet wird? oder haben städte das potenzial, einen eigenständigen habitus auszubilden und weiterzuentwickeln? dieser wäre in den städten materialisiert, wie es im sinne einer verkörperung von dispositionen bei diesem begriff in der soziologie angenommen wird.

department of architecture, munich university of applied sciences

lecture in the design studio, project 'hoog breed smal'

2026